Online-Proben mit Jamulus

Für die Einführung von coronabedingten Online-Proben mit Jamulus haben wir diesen Plan.

Für Notizen und Diskussion beim Test von Jamulus gibt es diese Arbeitsseite: Jamulus-Test

Was Jamulus kann

Virtueller Probenraum
Jamulus stellt eine Art akustischen Online-Probenraum zur Verfügung. Alle beim Server angemeldeten Teilnehmer tragen gleichzeitig und 'live' zum Gesamtklang bei.
Individueller Mix
Das Signal des eigenen Mikrofons wird zum Server geschickt. Vom Server bekommt man ein Signal, in dem die Beiträge aller Teilnehmer enthalten sind. Auch das eigene Signal ist in diesen Gesamtklang eingebettet. Im Hauptfenster kann man die Lautstärke der einzelnen Beiträge einstellen. Man erhält auf diese Weise den eigenen Mix. Die Bedienung ist an dem im Audiobereichen üblichen Mischpulten angelehnt.
Text-Chat
Es gibt in Jamulus einen einfachen Textchat für Absprachen, die man nicht allen zurufen möchte.

Was Jamulus nicht kann

Echo unterdrücken.
Es gibt in Jamulus keine Unterdrückung von Echos, die entstehen, wenn Schall aus einem Lautsprecher vom Mikrofon wieder aufgefangen wird. Solche Echos sind sehr irritierend. Deswegen unternimmt Software für Videokonferenz, Audio-Chat oder auch das ganz normale Telefonieren einige Anstrengungen, die Echos automatisch zu unterdrücken. Leider führen die entsprechenden Algorithmen zu Verzerrungen und Verzögerungen im Signalpfad. Verzögerungen sind das zentrale Problem beim Live-Musizieren über Internet. Daher werden Echos in Jamulus nicht unterdrückt. In der Folge sind Kopfhörer/Ohrhörer unbedingt erforderlich.
Visuelles Dirigat
Jamulus bietet keine Möglichkeit, parallel zum Ton ein Videosignal zu übertragen. Der Hintergrund ist, dass die im Moment verfügbare Internet-Infrastruktur nicht in der Lage ist, Video mit der erforderlichen geringen Verzögerung zu übertragen. Ein visuelles Dirigat ist damit nicht möglich. Ein akustisches Taktsignal ist natürlich möglich.
Online-Konzert-Saal
Jamulus ist nicht dafür eingerichtet, eine größere Zahl an Zuhörern zu bedienen. Es gibt zwar die Möglichkeit, sich beim Server als „just listening“ anzumelden. Das bewirkt zwar, dass kein eigenes Audio-Signal in den Mix eingeht. Es wird aber immer noch für jeden Zuhörer ein individueller Mix erstellt und übertragen. Das heißt, auch reine Zuhörer erhöhen die Belastung des Servers.
Virtuelle Studio-Aufnahme
Es gibt in Jamulus keine Möglichkeit, die einzelnen „Tonspuren“ zu speichern, um daraus im Nachgang eine perfekte „Aufnahme“ abzumischen.

Hardware-Empfehlungen

Desktop/Laptop
Es gibt den Jamulus-Clienten nur für Desktop oder Laptop unter verschiedenen Betriebssystemen. Die Geschwindigkeit der Rechner ist unkritisch. Alles, was jünger als 15 Jahre ist, sollte gut funktionieren. Mobiltelefone oder Tablets sind nicht möglich.
Kopfhörer/Ohrhörer
Bei der Verwendung von Lautsprechern fängt das Mikrofon das Signal vom Server wieder auf. Das Ergebnis sind störende Echos für alle anderen Beteiligten. Jamulus enthält keine Algorithmen zur Unterdrückung dieser Echos. Damit das Mikrofon das vom Server kommende Signal nicht wieder auffängt, sollte der Schall die Ohren über Kopfhörer erreichen. Ohrhörer sind auch möglich. Die Qualität der Kopfhörer ist dabei unerheblich.
Internet über Kabel
Jede Funkverbindung bedeutet eine weitere Kodierung und Umsetzung der Signale. Das heißt, sie fügen zusätzliche Verzögerungen hinzu. Speziell bei PowerLAN kommt hinzu, dass diese Technik bei kurzzeitigen Störungen die Übertragung eines Datenpakets so lange wiederholt, bis der Empfang von der anderen Seite bestätigt wurde. Wie groß die Verzögerungen ausfallen, ist stark vom jeweiligen Modell abhängig und leider nicht allgemein vorhersehbar. Es empfiehlt sich für Jamulus auf Bluetooth, WLAN oder PowerLAN zu verzichten.
Ruhe im Rechner
Wenig Unterbrechungen des Signalstroms durch das Betriebssystem. Je weniger Anwendungen im Hintergrund laufen, desto besser. Besonders problematisch sind Updates, WWW-Browser, Video-Konferenzen, Office-Instanzen (besonders Office 365) oder Backup-Tools.

Ausführlichere Hardware-Empfehlungen

Alle Beteilgten müssen Kophörer oder Ohrhörer verwenden.

Installation von Jamulus

  • Jamulus auf Microsoft Windows braucht ASIO-Treiber - entweder direkt vom Hersteller oder aus dem Paket ASIO4ALL.
  • Jamulus auf MacOS kann anders als die Windows-Version parallel zu einer Videokonferenz laufen.
  • Jamulus auf Linux nutzt Jack mit Hilfe von qjackctl.
  • JamulusOS ist ein Live-Image auf einem USB-Stick. Damit kann auf eine Installation auf der Festplatte verzichtet werden.

Den Jamulus-Clienten benutzen

Der Client von Jamulus präsentiert ein Hauptfenster, das in der Erscheinung und Funktionalität an ein Mischpult erinnert. Über ein Menü im Hauptfenster kann man weitere Fenster öffenen für die Verbindung mit einem Server, den Text-Chat und Einstellungen.

Mit unserem Jamulus-Server verbinden

Hauptfenster → Verbinden… → unten rechts unsere Serveradresse eingeben → Klick auf „verbinden“

Wenn alles klappt, erscheinen im Hauptfenster zusätzliche Schieberegler. Über Kopfhörer ist man selbst und der Ton der anderen am Server angemeldeten zu hören.

Elemente des Hauptfensters

Text-Chat

In Jamulus gibt es einen einfachen Text-Chat. Hier kann man nach Hilfe rufen, wenn zwar jamalus läuft, aber die Audioverbindung stumm bleibt. Außerdem eignet es sich natürlich für alle möglichen Anmerkungen, die man nicht einfach in die akustische Audio-Runde werfen möchte.

Im Hauptfenster von Jamulus gibt es unten links einen Knopf zum Öffenen des Chatfensters. Alternativ funktioniert auch die Tastenkombination [alt-c]. Dabei ist „alt“ die Taste links neben der großen Leertaste.

Der Text-Chat wird unverschlüsselt übertragen. Für Passworte oder ähnliche Geheimlichkeiten eignet er sich damit eher weniger. Der Text-Chat wird vom Jamulus-Server in keiner Weise gespeichert oder ausgewertet. Es gibt keine technische Möglichkeit nachträglich vom Server den Verlauf des Chats zu erhalten.

Einstellungen

Die Bedienelemente im Dialog „Einstellungen“ von links-oben nach rechts-unten:

Gerät
Bei Windows „ASIO“ bzw. „ASIO4all“. Bei Linux: „Jack“. Bei MacOS: „System default in/out device“
Kleine Netzwerkpuffer
Eine experimentelle Funktion. Empfehlung: Nicht aktivieren, keinen Haken
Puffergröße / Buffer Size
Die Größe des Pufferspeichers in der vorgelagerten Ebene. Unter Windows kann zwischen 64, 128 und 256 gewählt werden. Unter Linux ist die Auswahl ausgegraut. Man stellt stattdessen die Puffergröße in qjackctl ein. (Sichere Einstellung: 256)
Netzwerkpuffer
Zwei Schieberegler für Puffer von Eingangs- und Ausgangs-Signal. Die Netzwerkpuffer gleichen Schwankungen in der Internetqualität aus. Je kleiner ein Puffer desto geringer die durch ihn bewirkte Verzögerung. Die Puffer sollten also so klein wie möglich gewählt sein. Wenn ein Puffer zu klein ist, rumpelt und knackt es im Audio-Signal. Wenn der Haken bei „Auto“ gesetzt ist, versucht Jamulus eigenständig einen Kompromiss für Puffergrößen zu finden. (Sichere Einstellung: Haken bei „Auto“ gesetzt)
Audiokanäle
Empfehlung: „Mono in / Stereo Out“
Audioqualität
Empfehlung: „Hoch“ – Wenn bei vielen Teilnehmern die Internetverbindung des Servers eine Begrenzung darstellt, kann auf „normal“ oder sogar „niedrig“ ausgewichen werden.
Pegel für neuen Teilnehmer
Stellt ein, wie hoch der Regler für neue Teilnehmer direkt nach ihrer Anmeldung eingestellt ist. Empfehlung: 100% - Es sei denn, das ist typischerweise viel zu laut.
Oberfläche
Empfehlung: Bei wenigen Teilnehmern „Normal“. Bei vielen „Kompakt“.
Zentralserveradresse
Wird erst relevant, wenn wir unseren eigenen, nicht-öffentlichen Server laufen lassen.
Netzwerkrate
Nicht direkt einstellbar. Die Netzwerkrate ergibt sich aus den Einstellungen bei den Audiokanälen und der Audioqualität. (Mono braucht weniger als Stereo, hohe Audioqualität braucht weniger als niedrige) Dieser Wert wird dann relevant, wenn die Geschwindigkeit der Internetverbindung ein Flaschenhals ist.
Ping-Zeit
Nicht direkt einstellbar. Verzögerung für die Übertragung von digitalen Daten zwischen Client und Server. Hängt vom Standort des Servers und der Internetverbindung des Clienten ab.
Gesamtverzögerung / Delay
Nicht direkt einstellbar. Die Gesamtverzögerung wird auch Latenz genannt. Sie ist die Zeit, die ein Audio-Signal für die Reise vom Mikrofon zum Server, zurück zum Clienten und zum Kopfhörer braucht. Das ist der entscheidende Parameter für eine ernsthafte Chorprobe. Bei 200 ms ist gemeinsames Musizieren nicht wirklich möglich. Bei 100 ms braucht man guten Willen. Bei 50 ms wird es brauchbar. Mit 25 ms kann man gut arbeiten. Bei 15 ms muss man darauf achten, um einen Unterschied zu Null Verzögerung zu bemerken.
In die Latenz gehen Verzögerungen durch die Ping-Zeit und durch die Puffer ein. Dazu kommen aber auch noch Verzögerungen durch die lokale Hardware – Bluetooth und WLAN fügen ihre eigenen Verzögerungen hinzu. Man sollte sie daher möglichst vermeiden. Der Analog-Digital-Wandler in der Soundkarte kann auch schnell oder lahm sein.